Lernt heute die Alltagsheldin Marina Schmidt kennen – Mitbegründerin von Ozeankind e.V., Zwillingsmama und leidenschaftliche Gestalterin nachhaltiger Umweltbildung.
Was passiert, wenn Umweltengagement ganz konkret wird – wenn Kinder nicht nur zuhören, sondern mitgestalten? Mit Ozeankind setzt Marina genau hier an: Ihre gemeinnützige Organisation verbindet Umweltbildung, Recycling und soziale Verantwortung – in Deutschland und auf Sansibar. Im Mittelpunkt stehen Kinder, die erleben, was Abfall mit ihrem eigenen Leben zu tun hat und dass sie selbst etwas bewirken können.
Es geht um Handlungsspielräume, Verantwortung und um langfristige Veränderung. Marina zeigt: Nachhaltigkeit muss nicht perfekt sein, sondern machbar – auch im vollen Familien- und Berufsalltag.
Liebe Marina, wir freuen uns riesig, Dich als Pely® Alltagsheldin kennenzulernen! Stell Dich am besten selbst einmal kurz vor…
MARINA: >> Ich bin Marina Schmidt, Mitgründerin von Ozeankind e.V., Zwillingsmama und jemand, der lange gebraucht hat, um seinen Platz zwischen Idealismus und Alltag zu finden. Ozeankind habe ich gemeinsam mit meinem Partner Michael Schmidt 2018 gegründet, weil wir gemerkt haben: Wir können die großen Umweltprobleme nicht lösen, aber wir können Verantwortung übernehmen. Heute verbinde ich Umweltbildung, Unternehmertum und Familienleben so gut es geht. Unperfekt, aber konsequent.

Erzähl uns von Ozeankind – worum geht es bei Deiner gemeinnützigen Organisation ganz konkret?
MARINA: >> Ozeankind steht für Umweltbildung, die Kinder ernst nimmt. Wir arbeiten in Deutschland und auf Sansibar und zeigen Kindern ganz praktisch, was Abfall mit ihrem Leben zu tun hat und dass sie selbst etwas bewirken können. Recycling, Bildung und soziale Verantwortung greifen bei uns ineinander. Uns geht es nicht um Verzicht oder Moral, sondern um Verständnis, Handlungsspielräume und langfristige Veränderung.
Wie kam es dazu, dass Du gemeinsam mit Micha Ozeankind gegründet hast? Gab es einen Moment, der alles verändert hat?
MARINA: >> Den gab es. 2016 standen Micha und ich plötzlich an einem Ort, an dem Plastikmüll alles dominiert hat: Strand, Wasser, Alltag. Das war kein abstraktes Umweltproblem mehr, sondern Realität vieler Menschen. Wir haben gemerkt: Wegsehen geht nicht mehr. Und reden allein auch nicht. Also haben wir angefangen, Fragen zu stellen: Was können wir konkret tun? Für wen? Und wie erreichen wir Kinder, bevor Resignation einsetzt?
Was treibt Dich bis heute dabei am meisten an?
MARINA: >> Die Frage, was wir Kindern mitgeben. Nicht nur Wissen, sondern Haltung. Ich sehe täglich, wie früh Kinder verstehen, dass etwas schiefläuft, aber auch, wie viel Hoffnung sie haben. Das motiviert mich. Und ganz persönlich: Ich will meinen eigenen Kindern zeigen, dass Engagement nicht perfekt sein muss, um wirksam zu sein.
Wie sieht Dein Alltag heute aus und wie integrierst Du Dein Engagement realistisch in Dein Leben?
MARINA: >> Mein Alltag ist voll und oft widersprüchlich. Ich bin Mutter von kleinen Kindern, Unternehmerin, NGO-Gründerin. Ich arbeite in klaren Zeitfenstern, plane viel und muss trotzdem ständig priorisieren und öfter Dinge umschmeißen. Ozeankind ist kein Nebenprojekt, sondern echte Verantwortung. Ich habe gelernt, realistisch zu bleiben: Lieber kontinuierlich wirken als sich selbst ausbrennen.
Was genau ist dabei Deine Rolle innerhalb von Ozeankind?
MARINA: >> Ich halte die inhaltliche und strategische Klammer. Ich entwickle Konzepte, spreche mit Partnern, kümmere mich um Fundraising, Kommunikation und Wirkung. Ich übersetze Visionen in umsetzbare Projekte. Micha ist mein wichtigster Sparringspartner, ohne dieses Zusammenspiel würde Ozeankind so nicht existieren.
Merkst Du schon konkrete Veränderungen oder Wirkungen durch Eure Arbeit – bei Kindern, Familien oder in den Communities?
MARINA: >> Ja – und das ist das, was uns trägt und natürlich jeden Tag motiviert. Kinder verändern ihr Verhalten, sprechen zu Hause über Müll, Schulen arbeiten mit unseren Inhalten. Auf Sansibar sichern unsere SwopShops Arbeitsplätze für Frauen und erreichen tausende Kinder. Wirkung heißt bei uns: messbar, sichtbar und menschlich.

Wie reagieren andere Menschen, wenn sie Euer Engagement sehen oder davon erfahren? Gab es besondere Begegnungen, die Dir im Kopf geblieben sind?
MARINA: >> Viele sind überrascht, wie pragmatisch wir arbeiten. Eine Begegnung bleibt mir besonders: Ein Kind sagte mal, es habe gedacht, Müll sei wertlos und jetzt wisse es, dass er Verantwortung bedeutet. Das klingt klein, ist aber ein riesiger Perspektivwechsel.
Wie erleben Kinder Eure Projekte – gibt es Reaktionen, die Dich besonders berühren oder überraschen?
MARINA: >> Kinder reagieren ehrlich. Sie spüren sofort, ob etwas echt ist. Was mich berührt: Wenn Kinder anfangen, selbst Lösungen vorzuschlagen. Wenn sie merken, dass sie ernst genommen werden, dann entsteht Stolz. Und genau da beginnt Veränderung.


Gab es auch Herausforderungen, die Du beim Aufbau von Ozeankind bewältigen musstest?
MARINA: >> Sehr viele. Finanzierung, Bürokratie, Zweifel, Phasen der Überforderung. Gemeinnützig heißt nicht sorgenfrei. Es bedeutet oft, viel Verantwortung mit begrenzten Mitteln zu tragen. Das fordert mich persönlich und strukturell.
Was hast Du durch Dein Engagement gelernt – auch über Dich selbst?
MARINA: >> Dass ich nicht alles allein tragen muss. Und dass Wirkung Zeit braucht. Ich habe gelernt, Grenzen zu setzen, Prioritäten zu verschieben und mich nicht nur über Leistung zu definieren. Idealismus braucht Struktur, sonst wird er zur Belastung.
Gab es einen speziellen Moment, der Dein Denken und Handeln nachhaltig verändert und Dein Umweltbewusstsein geprägt hat?
MARINA: >>Ja: die Erkenntnis, dass individuelles „perfekt sein“ nicht die Lösung ist. Nachhaltigkeit scheitert nicht an fehlendem Willen, sondern an Systemen. Deshalb setzen wir auf Bildung, Strukturen und Zugänge, nicht auf Schuldgefühle.

Wo liegt Deine Schmerzgrenze zwischen „gut für die Umwelt“ vs. „persönlichem Komfort, auf den Du nicht verzichten möchtest“?
MARINA: >> Ich glaube nicht an radikalen Verzicht. Nachhaltigkeit muss in ein reales Leben passen, sonst bleibt sie ein Privileg. Ich treffe bewusste Entscheidungen, aber ohne mich selbst oder andere zu überfordern.
Wie läuft bei Dir die Müllentsorgung im Alltag ab? Wählst Du Produkte dafür bewusst aus?
MARINA: >> Bewusst, aber pragmatisch. Wir trennen, reduzieren Verpackung, nutzen Produkte, die funktionieren. Kaufen auch sehr viel gebraucht. Wenn Nachhaltigkeit im Alltag scheitert, liegt das selten am Wissen, sondern an der Umsetzbarkeit.
Welche Rolle spielt für Dich Aufklärung rund um Abfalltrennung und funktionierende Abfallsysteme?
MARINA: >> Eine zentrale. Ohne funktionierende Systeme bleibt individuelles Verhalten Symbolpolitik. Aufklärung muss ehrlich sein – auch darüber, was aktuell noch nicht gut funktioniert
Was möchtest Du anderen Menschen mit auf den Weg geben, die etwas bewegen wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?
MARINA: >> Warte nicht auf den perfekten Moment. Fang klein an, bleib dran und such dir Mitstreiter. Veränderung entsteht nicht durch Helden, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Welche Dinge sollten für die nächste Generation im Umgang mit Umwelt und Abfall ganz selbstverständlich sein?
MARINA: >> Dass Abfall kein „Wegwerfproblem“ ist. Dass Ressourcen endlich sind. Und dass ihr Handeln Wirkung hat – ohne Angst, ohne Schuld.
Welche Ziele oder Visionen hast Du für Ozeankind in den kommenden Jahren?
MARINA: >> Mehr Kinder erreichen, Umweltbildung fest im Alltag von Schulen verankern und stabile Strukturen schaffen. Ozeankind soll langfristig wirken – unabhängig von einzelnen Personen. Das ist mein Ziel.
Vielen Dank, liebe Marina, für das inspirierende Gespräch und Deine Einblicke in Eure Arbeit bei Ozeankind! 🤍
Ihr zeigt, wie Umweltbildung langfristig verankert werden kann – in Schulen, in Communities und im Alltag. Wir wünschen Euch weiterhin Freude, starke Partner und viele Kinder, die Spaß daran haben, Umweltschutz mitzugestalten.
Habt Ihr Fragen an Marina oder möchtet Ihr Eure Meinung zu diesem Interview mitteilen?
Dann hinterlasst einfach einen Kommentar unter diesem Beitrag!
Links*:
Webseite: https://ozeankind.de/
Instagram Profil: https://www.instagram.com/ozeankind_ev/
YouTube Profil: https://www.youtube.com/c/ozeankind
Facebook Profil: https://www.facebook.com/ozeankind
Bildnachweise:
© Ozeankind
© Kim Jeannine Fotografie
*Die enthaltenen Links sind keine werblichen Links.

